"Es war eine Wucht!"

Bericht vom 11. Gospelchortreffen Berlin-Brandenburg / Von Simone Holthusen


Nun ist es schon wieder vorbei, aber die Stimmung ist immer noch lebendig in uns allen, die dabei waren. Das 11. Gospelchortreffen Berlin-Brandenburg vom 7. bis 9. September 2007 war eine absolute Wucht! Das ging bei den Schauplätzen los. Sowohl die Wahl der Heilig-Kreuz-Kirche mit ihrer unvergleichlichen Multifunktions-Architektur, die das Sakrale trotzdem nicht versteckt, kann als Volltreffer bezeichnet werden (hier fanden die Mass-Choir-Proben statt). Ebenso die imposante Halle der Parochialkirche, die ob ihrer Raumwirkung immer wieder zum Staunen einlädt – einen besseren Ort für ein Abschlusskonzert dieser Dimension kann man sich kaum vorstellen.

Mit 400 Menschen zusammen in einem Chor zu singen, ist in jeder Beziehung ein Erlebnis: Klangfülle ohne Ende, das Gemeinschaftsgefühl (wir sind ein Sound-Körper), hohe Konzentration und viel Spaß durch die abwechslungsreiche und lockere Art der vier Masschoir-Leiter Antje Ruhbaum (l.o.), Alexander Riede (l.u.), Stephan Zebe (r.o.) und Verena Kempkes. Jeder und jede für sich hat Klasse – natürlich auch Schwächen. Daher umso größer der Vorteil, sich abzuwechseln und die Arbeit zu teilen.

Ein Mass-Choir dieser Dimension ist natürlich auch schwierig zu handhaben. Ganz zu schweigen von den technischen Problemen, den Klang der Begleitband auch wirklich überall im Raum, für alle Sängerinnen und Sänger, in akzeptabler Lautstärke präsent zu haben. Das sind zum einen sicherlich Hausaufgaben, die die Tontechniker noch besser machen müssen (obwohl sie insgesamt eine tolle Arbeit geleistet haben). Zum anderen: Dass Ansagen oft schlecht verständlich waren, lag bestimmt auch am Sprechverhalten der Ansager. Au weia, wurde hier genuschelt und wurden Mikros falsch benutzt!

Eine gute Entscheidung war es, viele Songs ohne Noten einzuüben. Auch wenn für den einen oder anderen noch gewöhnungsbedürftig – Gospelstimmung kommt so eher auf. Und bei der Gelegenheit wurde für viele (vielleicht erstmals) klar, wie eine Leinwand und ein Beamer die Chorarbeit (und den Gottesdienst!) bereichern können. Fürs üben im Voraus (ob das tatsächlich alle Teilnehmer schaffen, ist fraglich) sind natürlich langfristig versendete Noten hilfreich. Hier waren die Organisatoren in diesem Jahr sehr spät dran. Bleibt das Problem, dass nicht fotokopiert werden darf. Ich bin mir aber sicher, dass die Chorleiter und Einzelteilnehmer gern bereit sind, einen höheren Teilnahmebeitrag zu zahlen, wenn sie dafür offizielle Notenhefte in guter Druckqualität erhalten.

Sicherlich eine gute Idee war der Gospel-Shop, den es noch nie zuvor gab. Nicht wenige Chorleiter und auch einzelne Sänger dürsten geradezu nach neuem „Stoff" und konnten sich hier reichlich mit CDs, DVDs und Noten eindecken. Dass die Qualität eines solchen Festivals dadurch steigt, dass vormals rein ehrenamtliches Engagement nun ein Stück weit kommerziell wird, dürfte in diesem Jahr wohl allen Teilnehmern klar geworden sein. Auch wenn Werbung in der Kirche noch für viele ungewöhnlich ist – wenn sie zum Thema passt und alles noch ein bisschen mehr professionell macht, ist sie meiner Meinung nach hoch willkommen!

Der Workshop. Gab es in den Jahren zuvor stets mehrere Workshops zur Auswahl, hatte sich das Planungsteam in diesem Jahr für einen einzelnen Gesamt-Workshop entschieden. Grund war zum einen die Raumsituation in der Heilig-Kreuz-Kirche, die eine Workshop-Vielfalt einfach nicht zuließ, zum anderen der Wunsch der Mass-Choir-Dozenten, mehr Zeit für die Chorarbeit zu haben. Nun also kam Michael Betzner, renommierter Chorleiter (u.a. UdK Berlin) und Experte für Chor-Improvisation. Kurz gesagt: es war beeindruckend, was Betzner hier mit 400 Menschen veranstaltete. Mit Gospel hatte es zwar nichts zu tun (das kritisierten auch einige), aber das war auch ok, schließlich wurde in den übrigen Proben schon genug gepowert. Eine meditative Stimmung machte sich breit, viele dösten ein wenig, andere hingen dem charismatischen Workshopleiter geradezu an den Lippen. Auch die Improvisations-"Aufführung" im Sonntags-Gottesdienst ein Höhepunkt. So etwas hatte die Heilig-Kreuz-Gemeinde wohl noch nicht erlebt. Mit Michael Betzner wurde den Gospelchortreffen-Teilnehmern etwas „völlig anderes als bisher" angekündigt – und genau das war es.

Die Party. Dass nach stundenlangem Proben erst einmal Pause angesagt ist, war klar. Somit dauerte es ein wenig, bis das Tanzen in Gang kam. Dann aber war zeitweise die gesamte Heilig-Kreuz-Kirche mit ausgelassenen Menschen gefüllt, die in den wildesten Verrenkungen zu Funk-, Soul-, Hiphop- und Pop-Beats – ausschließlich Gospelmusik – tanzten. Für viele war sicher neu: Gospel ist discotauglich.

Zum Schluss das Konzert: 400 Gospelbegeisterte auf der Bühne, etwa 800 Zuhörer in den Reihen der Parochialkirche. Was für ein Event! Im Chor herrschte eine ausgelassenen Partystimmung, die einzelnen Stimmgruppen feierten sich gegenseitig, die Band Zoom leistete saubere Arbeit (überhaupt nochmal ein großes Kompliment an diese gut eingespielten und in Sachen Gospel sehr sensibel agierenden Musiker!). Einziger Kritikpunkt: ein bisschen mehr geistlicher Wort-Inhalt tut auch solch einem Konzert gut –  und wenn es nur ein Schlusssegen ist.

Vielen Dank an das gesamte Team vom ProGospel e.V., die dieses Festivals für die veranstaltende Landeskirche in diesem Jahr erstmals organisiert haben. Wir freuen uns auf 2008!

Simone Holthusen

(Fotos: Team, Raimund Müller)

Noch mehr Berichterstattung vom Gospelchortreffen
Auch der RBB hat uns in der Heilig-Kreuz-Kirche besucht. Hier könnt Ihr Euch den Beitrag in der Sendung "Berliner Nacht-Taxe" vom 21. Oktober 2007 anschauen >>