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![]() 300 Sängerinnen und Sänger hinter dem Altarraum. Da wurde es selbst in der Choriner Klosterkirche ein wenig eng. |
Samstag, 4. September 1999. In aller Frühe starteten wir - sechs Mitglieder der "Gospelband Abraxas" und zwei Jugendliche aus dem Dekanat Wilmersdorf - in ein Wochenende ganz besonderer Art. Zum dritten Mal sollte das Berlin-Brandenburger Gospelchortreffen stattfinden, dieses Mal wieder im nordöstlich von Berlin gelegenen Chorin, nachdem man sich im letzten Jahr in Berlin-Steglitz versammelt hatte.
15 Chöre ganz unterschiedlicher Größe und Professionalität waren angereist, um zusammen einen Mass Choir von über 300 Stimmen zu bilden. Gemeinsam wurden zahlreiche Gospelsongs und Spirituals eingeübt, die die Chöre jeweils für sich bereits vorbereitet hatten. Das Spektrum der Stücke reichte von klassischen Spirituals wie "Go down, Moses" bis hin zum zeitgenössischen Gospelknaller "The Power and the Glory", der natürlich bei einem Chor solcher Größe ganz besonders wirkte.
Zwischen den Proben wurden den Teilnehmern verschiedene Workshops angeboten. So bestand die Möglichkeit, im Improvisations-Workshop mit der norwegischen Gesangspädagogin Kara Johnstad das individuelle Gesangstalent zu erproben oder sich im Rhythmus-Workshop mit dem Berliner Jazz-Schlagzeuger und Chorleiter Wolfgang Thierfeldt an den Feinheiten der Polyrhythmik zu versuchen. Auch die Choreographie - für einen Gospelchor ganz besonders wichtig - konnte in einem eigenen Workshop trainiert werden. Und wer weder solistisch singen noch sich bewegen wollte, der ging einfach in den Vortrag über die Geschichte der Gospelmusik und erlebte ein engagiertes Referat, daß mit Bild- und Tondokumenten angereichert wurde.
Der Sonntag stand dann ganz im Zeichen des Chorinfestes, als dessen Höhepunkt am Nachmittag das große Gospelchorkonzert geplant war. In der imposanten Ruine des alten Choriner Klosters hatten sich weit über 1000 Zuhörer versammelt und warteten gespannt auf den 300-Stimmen-Chor. Der zog auch bald ein, und zwar mit der afrikanischen Gospelhymne "Sanna Sannanina" (Heilig, heilig ist dein Name).
Im Wechsel sangen die einzelnen Chöre und der große Gesamtchor ihre energiegeladenen Gospelsongs, aber auch ruhige und balladenartige Stücke. Viele der Besucher des Chorinfestes, die zum ersten Mal Gospel in einer solchen Form erlebten, zeigten sich überaus beeindruckt von dem überwältigenden Klang des 300köpfigen Mass Choirs, der zusätzlich noch durch eine sechsköpfige Band angeheizt wurde. Insbesondere Rolf Tischer gab mit seinem Alt-Sax dem ein oder anderen Song den fetzigen Schliff. Einen derartigen Sound hatte die ehrwürdige Klosterruine wahrscheinlich noch nicht erlebt.
Ein anderer Höhepunkt des Konzertes war zweifellos der Auftritt des professionellen Jazz- und Gospelensembles "Village Voices of Berlin", das die Zuhörer durch beeindruckende dynamische Vielfalt und rhythmische Perfektion begeisterte.
Leider gelang es nur unzureichend, die Beschallungstechnik der äußerst schwierigen Akustik des halb offenen Kirchenschiffes anzupassen. So mußten sich gerade die teilnehmenden Chorsänger mit einem sehr verschwommenen Klangbild der Band begnügen, aufgrund dessen einige Einsätze daneben gingen. Das beeinträchtigte jedoch nicht die enthusiastische Stimmung, mit der nach zwei Stunden das Konzert durch den Auszug des Chores und dem Schlußlied "Amen" sein Ende fand.
Die besondere Qualität dieses Gospelchortreffens hat sich in Chorin erneut gezeigt. Nicht die perfektionistische Interpretation von Gospelsongs, sondern das nebeneinander verschiedenartiger Chöre und Chorklänge, in Verbindung natürlich mit dem Gemeinschaftserlebnis des Mass Choirs, machte den besonderen Reiz der Veranstaltung aus. Beim nächsten mal sind wir mit Sicherheit wieder dabei.
Till Sauer, Gründer und Leiter von GospelBoot Berlin, dirigierte im Wechsel mit anderen Chorleiterinnen und -leitern den Mass Choir. Hinten am Piano: Jakob Volz.
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