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Mitten im Herzen der Stadt
Ulrike Urner berichtet vom 9. Berlin-Brandenburger Gospelchortreffen



Das 9. Berlin-Brandenburger Gospelchortreffen – schwer zu glauben, dass schon wieder ein Jahr herum sein soll... Aber es ist so: Neue Stücke wurden einstudiert, Anmeldungen abgeschickt und die unvermeidlichen Nachmeldungen eingereicht, die Sommerpause überstanden und dann, endlich, das diesjährige Festival.

Viele kommen jedes Jahr neu dazu – Sängerinnen und Sänger und auch ganze Chöre. Aber viele sind dieses Jahr auch zum neunten Mal dabei, und das ist schon das erste Highlight: All’ die Leute begrüßen, die man tatsächlich nur dieses eine Mal im Jahr sieht. Gleich mal hören, wie’s so geht und wie es so läuft mit dem eigenen Chor.

Manchem fällt jetzt erst auf, dass dieses Gospelfestival nicht, wie gewohnt, mit einem Abendbrot beginnt. Acht Jahre sind da schon eine ernst zu nehmende Tradition – und so wächst der Umsatz der umliegenden Imbissbuden eine Viertelstunde vor der ersten Probe sprunghaft.

Kauend und plaudernd füllt der Masschoir nach und nach die Villa Elisabeth in Berlin-Mitte. Auch das ist neu: Gastgeber dieses Festivals ist der Kirchenkreis Mitte. Die Idee, das Abschlusskonzert auf den Tag des offenen Denkmals zu legen und gleichzeitig zum Ausklang einer Kirchenrallye zu machen, war ziemlich begrüßt worden. Und so fanden die Proben und Workshops ebenfalls in diesem Kirchenkreis statt.

Die Villa Elisabeth (Fotos unten) Bisher eher als sehr abgefahrene Kulisse für Filme und Partys bekannt, wird sie jetzt zum Austragungsort von chorischen und choreographischen Partien, gerät der große Saal ins Kochen (zum Teil fast wörtlich – aus Gründen des Lärmschutzes durften die Fenster nicht geöffnet werden). Elisabeths Charme ist ein bisschen morbide, und wer so was mag (und ich mag so was sehr!), der kommt hier voll auf seine und ihre Kosten.




Auf ihre Kosten kommen die Sängerinnen und Sänger aber auch durch die Chorleiterin Verena Kempkes und die beiden Chorleiter Stephan Zebe und Alexander Riede. Mit vollem Körpereinsatz führen sie geduldig, ausdauernd, (selbst-)sicher, zügig, begeisternd, laut und leise, aber immer zielgerichtet durch zeitgenössischen und traditionellen Gospel.

Mal genervt ("Kann sich der Tenor jetzt BITTE ENDLICH MAL zusammen hinstellen? Ich weiß immer noch nicht, wo der Bass aufhört!"), mal überwältigt ("Ihr klingt richtig geil!"), aber letztlich sehr erfolgreich. Workshops zu Rhythmus (Wolfgang Thierfeldt), Choreographie (Verena Kempkes) und Gospelpiano (Stephan Zebe) bringen für viele mal wieder ganz neue Einsichten ("Bei der Bewegung bitte alle gleich-zei-tig!").

Bei so viel Anstrengung ist es gut, dass immer mal wieder Pausen eingelegt werden. Das Catering übernimmt dieses Mal das Café Bernstein, und bis auf vereinzelte, auf persönliche Ängste gegründete Kritikpunkte ("Bohnen? Jetzt?? Vor der Probe?!") haben wir damit auch in diesem Jahr wieder eine hervorragende Verpflegung. Abends gibt es für die, die sich gar nicht trennen können, das Café von Leuten des Modern Gospel Choir – für einen letzten Absacker vor der letzten S-Bahn.

Auch am Sonntag ist Vieles anders als gewohnt. Statt eines gemeinsamen Gottesdienstes feiern wir gleich drei – quer durch die Stadt verteilt. In Heilig Kreuz in Kreuzberg, in Heiland in Moabit und in Gethsemane in Prenzlauer Berg eröffnet jeweils ein Gospelgottesdienst mit SängerInnen vom Festival die drei Routen der Kirchenrallye. Interessierte BesucherInnen können sich in den beteiligten Bezirken durch verschiedene Kirchengebäude führen lassen – und mindestens sie wissen, dass das Gospelfestival in der Stadt ist.

Nur wenige Stunden später erleben das hunderte ZuhörerInnen in der Georgen-Parochial Kirche (Foto ganz oben) noch viel intensiver. Nach Mittagessen und Soundcheck durch die Leute von den Moabiter Musiktagen gibt es hier nämlich schließlich das große Abschlusskonzert des diesjährigen Masschoirs. Nach dem Auftakt durch die Band Zoom hallt die alte Kirche mehr als eine Stunde wider von lebendigem Gospel: schnell und fröhlich, ruhig und nachdenklich, mit voller Kraft, aber auch mit leisen Stücken.



Pfarrerin Gabriele Köster hatte am Morgen in Gethsemane darüber gepredigt, dass das Singen zum Leben gehört – manchmal aus purer Lust, manchmal gegen die Angst und die Not an. Aus den Duschkabinen und Kellern dieser Welt solle man es hören können und sich daran erinnern, dass es Gott selbst ist, der uns immer wieder den Mut dazu gibt.

Am Nachmittag stehen 300 Sängerinnen und Sänger im Abschlusskonzert und singen von diesem Gott, der uns befreit und heilt, Lasten abnimmt und durch schlimme Zeiten begleitet. Ein Gott für das Leben und über das Leben hinaus.

Nächstes Jahr werden wir mit dem Gospelfestival wieder in Eberswalde sein und unser Abschlusskonzert in der Klosterruine Chorin feiern. Zehn Jahre treffen wir uns dann, jeweils im September. Zehn Jahre mit den Chören ‚im Namen des Herrn unterwegs’. Wir werden einiges zu feiern haben.

Ulrike Urner
(ulrike.urner@teltow-zehlendorf.de)








Sonntag, 11. September
Gospel-Gottesdienste mit Chören des Gospelchortreffens
Auftakt der Kirchenrallye durch Stadtmitte im Rahmen des "Tages des offenen Denkmals" (www.kirchenrallye.de)
Südroute: 10 Uhr - Heilig Kreuz Kirche, Zossener Str. 65, Kreuzberg
(Leitung: Alexander Riede + Gospelband ZOOM)
Nordroute: 11 Uhr - Gethsemanekirche, Stargarder Str. 77, Prenzlauer Berg
(Leitung: Ulrike Urner und Hanns-Peter Giering)
Westroute: 11 Uhr - Heilandskirche, Thusneldaallee, Moabit
(Leitung: Verena Kempkes)


Großes Abschluss-Konzert

um 16 Uhr in der St. Georgen Parochial-Kirche, Klosterstraße 66/67, Berlin-Mitte
Mit dem 300-köpfigen Mass-Choir des Gospelchortreffens, der Band ZOOM,
dem BMX-Freestyle-Akrobaten Ali B. und den Teilnehmern der Kirchenrallye Stadtmitte

Eintritt frei!

Rolf Tischer, Berliner Popularmusikbeauftragter der Evangelischen Kirche, Lothar Wittkopf, Chef des Kirchenkreises Berlin-Stadtmitte und Christoph Zschunke von der Gospelmusik-Initiative "gospel goes city" (www.gospel-goes-city.de) laden herzlich zum 9. Gospelchortreffen ein, das in diesem Jahr erstmals mitten in Berlin stattfindet.

Neben einem echten "Mass Choir" mit 300 Stimmen und fetziger Begleitband gibt es Workshops für Sologesang, Rhythmik, Piano und viele andere. Beim großen Abschluss­konzert am Sonntag, dem 11. September, stehen alle Teilnehmer auf der Bühne. Vorher können einzelne Gospelchöre in verschiedenen Gottesdiensten in ganz Berlin auftreten.

"Am Besten, Ihr kommt mit Euerm ganzen Chor oder mit ein paar Freunden. Aber auch allein seid Ihr bei uns in bester Gesellschaft", ruft Christoph Zschunke alle Gospelbegeisterten auf. Sowohl der Veranstaltungsort ist in diesem Jahr ein besonderer als auch die Einbindung in den Tag des Denkmals mit einer Rallye, deren Start und Ziel mit grooviger Gospelmusik begleitet wird.

Weitere Infos:
Pf. Rolf Tischer
Fon: (030) 77 20 68 31
Fax: (030) 7 74 12 08
E-Mail: Rolf.Tischer.Berlin@t-online.de

 



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